Hier ein kleiner Einblick:
Ein Gedicht von Martin.
Inspiriert von einem Foto und einem Augenblick, den er nie vergessen wird.

Der Augenblick oder
Der Europäer oder ...
...
...
... Von Kopf bis Fuß
„Wasungu!“ – Das hast Du mir nachgerufen,
und hätt‘ ich nicht den lichtgetränkten Blick –
als ich mich zu Dir wandte – wahrgenommen,
hätt‘ ich wohl wie von selbst damit begonnen
als ‚bettelarm‘ und ‚krank‘ Dich einzustufen.
Doch sah ich selten Menschen so begeistert
wie Dich, sobald Du mich von fern erspäht,
als hättest Du den größten Preis gewonnen,
als wär ich eine selt’ne Rarität.
Was mich am meisten schmerzte, war Dein Lachen –
Es peitschte mir kritiklos ins Gesicht.
Mir schien: Du weißt nicht, was wir mit Dir machen,
sonst wärst Du jemand, der mich schuldig spricht.
Mit einem Wort: Es war Unwissenheit,
auf die ich traf,
als unser Blick sich streifte.
Doch als ich weiterlas, kam eine Seite
zum Vorschein,
die das Kartenhaus zerwarf.
Und die ließ etwas anderes verlauten
aus Deinen zarten kleinen Kinderaugen…
…Dies scheinbar stets vergnügte Zwillingspärchen
gibt nun doch eine leise Ahnung preis,
Signale Deiner unsichtbaren Seele,
sie sammeln sich im unschuldigen Weiß.
Wohlwissend, dass sie dort nicht bleiben können,
durchschaubar, dennoch unnachgiebig, starr,
verlassen sie nach zögerlichem Zittern
den Ort, der unfreiwillig sie gebar.
Durch Liderbeben in die Flucht geschlagen,
erfahr‘n sie schließlich ihres Schicksals Schwere –
Sie rennen orientierungslos von dannen,
entlang an glatten, unverbrauchten Wangen –
und stürzen sich dann hoffnungslos ins Leere.
Vorbei an Baumwollfetzen, die sich winden
um dunkle Schultern, kantig und verdreckt,
vorbei an einem Leib, der schneller altert,
weil er schon jung in alten Kleidern steckt.
Sie fall‘n hinab in unerforschte Tiefen
und mischen sich ins bunte Farbenspiel
der großindustriellen Fantasien,
zwischen Plastik, nackte Füße, Batterien.